2024 wurden in Deutschland insgesamt etwa 464 Terawattstunden Strom verbraucht. Privathaushalte hatten daran einen Anteil von etwa 29 Prozent (ca. 133 TWh), der größte Anteil mit 44 Prozent stammt von der Industrie. Besonders die energieintensiven Branchen wie Stahl, Chemie und Maschinenbau hatten großen Anteil. Der Verkehrssektor trug dagegen nur 3 Prozent zum Gesamtverbrauch bei.
Strom ist eine unvermeidliche Ressource geworden. Was funktioniert heutzutage schon ohne Strom? Seit dem verstärkten Bestreben hin zur Klimaneutralität ist elektrischer Strom noch einmal deutlich wichtiger geworden, denn er stellt aktuell die wahrscheinlich einzige realistische Alternative zu fossilen Brennstoffen und Treibstoffen dar. Trotzdem war der Stromverbrauch in Deutschland 2024 deutlich niedriger als noch in den 2010er-Jahren und während der Corona-Pandemie.
Jedes Jahr sparen
Jedes Jahr sparen
Stromverbrauch von Privathaushalten und Industrie in Deutschland
In Privathaushalten ist der Stromverbrauch normalerweise von der Größe des Haushalts und der Anzahl der dort lebenden Personen abhängig. Je mehr Personen in einem Haus oder einer Wohnung leben, desto höher auch der Verbrauch, aber der Verbrauch pro Person ist niedriger. Verbrauchsstellen wie Kühlschrank, Beleuchtung oder Herd und Backofen gibt es in allen Haushalten in der Regel nur einmal, egal wie viele Personen dort leben. Laut Stromspiegel von co2online verbraucht eine Person in einem Einfamilienhaus ohne elektronische Warmwasserbereitung im Durchschnitt 2.400 kWh Strom pro Jahr. Bei 2 Personen verdoppelt sich der Verbrauch nicht, sondern steigt auf etwa 3.000 kWh. Erst in einem Haushalt mit 5 Personen steigt der Stromverbrauch auf 5.000 kWh pro Jahr, ungefähr das Doppelte von dem Verbrauch einer einzigen Person. In Mehrfamilienhäusern ist der Gesamtverbrauch geringer, aber der Anstieg sieht ähnlich aus. Während eine einzelne Person im Durchschnitt etwa 1.400 kWh im Jahr verbraucht, benötigt ein 2-Personen-Haushalt “nur” 2.000 kWh.
Diese Rechnung geht so lange auf, wie ein Gerät in einem 1-Personen-Haushalt auch noch gut genug ist, um einen größeren Haushalt zu versorgen. Ein Kühlschrank in einem 1-Personen-Haushalt bietet beispielsweise noch genug Platz für 3 Personen, in einer fünfköpfigen Familie ist er aber wahrscheinlich schon zu klein. Mit einem größeren Gerät wird auch der Stromverbrauch wieder ansteigen. Der Stromverbrauch von Haushalten hängt neben der Größe auch vom Nutzerverhalten und der Leistung und Effizienz der Geräte ab. In extremen Fällen kann eine einzelne Person sogar mehr Strom verbrauchen als eine fünfköpfige Familie.
2024 hatte die Industrie einen Anteil von 44 Prozent am deutschen Stromverbrauch – ungefähr 204 Terawattstunden. Dazu zählen zum Beispiel besonders energieintensive Branchen wie die chemische Industrie und die Metallerzeugung und –bearbeitung. Gewerbe, Handel und andere Dienstleistungen nutzen etwas weniger Strom als Haushalte, etwa 111 Terawattstunden und damit 24 Prozent. Den mit Abstand niedrigsten Anteil am Stromverbrauch in Deutschland hatte der Verkehrsbereich mit 3 Prozent.
Im Vergleich zu 2023 ist sowohl der gesamte Stromverbrauch als auch der Stromverbrauch in allen Bereichen gestiegen. Den höchsten prozentualen Anstieg verzeichnete die E-Mobilität mit 4,1 Prozent von 15,1 auf 15,7 Terawattstunden. Bis 2030 soll die Menge an öffentlichen Ladepunkten für E-Autos deutlich zunehmen. Das Ziel sind 1 Million öffentliche Ladepunkte. Mit Stand vom Februar 2025 waren bei der Bundesnetzagentur nur etwa 160.000 öffentliche Ladepunkte registriert. Damit wird der Verbrauch im Bereich Verkehr in den nächsten Jahren voraussichtlich noch weiter zunehmen.
Stromverbrauch im internationalen Vergleich
Mit einem Gesamtverbrauch von 464 Terawattstunden im Vorjahr hat Deutschland einen der höchsten Stromverbräuche weltweit. Allerdings führt China die Liste mit großem Abstand an, hier werden jährlich 8.400 Terawattstunden verbraucht. Die USA landet auf Platz zwei mit “nur” rund 4.100 Terawattstunden.
Mit Blick auf den Pro-Kopf-Verbrauch ist dagegen Katar Spitzenreiter mit 226.000 kWh im Jahr 2023. Die höchsten Verbräuche in Europa liegen in Island (ca. 167.000 kWh) und Norwegen (101.000) kWh. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland lag 2023 bei ca. 38.000 kWh.
Stromverbrauch in der Energiewende
2022 hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz prognostiziert, dass die zunehmende Elektrifizierung von Verkehr und Wärme den Strombedarf bis 2030 deutlich erhöhen wird. Bis 2030 hatte das BMWK einen Anstieg auf 750 TWh erwartet, im Vergleich zu 560 TWh in 2021. Der aktuell hinter den Erwartungen bleibende Ausbau von Wärmepumpen und E-Mobilität veranlasst Energiekonzerne jedoch, die Prognosen zu korrigieren. Anstelle von 750 TWh halten zum Beispiel E.ON und RWE einen Verbrauch von 600 TWh für realistischer. Deshalb würden voraussichtlich weniger neue Stromnetze benötigt und der Ausbau von Offshore-Windrädern erlaube mehr Entspannung. E.ON-Chef Leonhard Birnbaum erwartet potenzielle Kostensenkungen von mehr als 100 Milliarden Euro.
In einer gemeinsamen Stellungnahme haben E.ON und RWE auch konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen, die sowohl die Energiewende als auch die deutsche und europäische Energiewirtschaft betreffen. Zum Thema Netzausbau und effiziente Stromnetznutzung fordern sie etwa, den “nicht netzorientierte[n] Zubau von erneuerbaren Energien” zu beenden und bei der Standortwahl von Anlagen, Speichern und zuschaltbaren Lasten stattdessen die Netzsituation zu berücksichtigen. So sollten Regionen ausgewiesen werden, in denen ein Netzanschluss priorisiert würde, wohingegen andere Regionen bewusst vernachlässigt würden. Das setze einerseits marktwirtschaftliche Anreize zur Entlastung des Stromnetzes und senke andererseits die Systemkosten.
Darüber hinaus sprechen die Unternehmen auch weitere Punkte an. Zum einen soll das europäische Zertifikatshandelssystem EU ETS zum Mittelpunkt der Klimapolitik und das nationale Brennstoffhandelssystem schnell in den EU ETS 2 überführt werden. Sie sprechen außerdem die Notwendigkeit von erhöhter Flexibilität auf Verbraucherseite an. Die Konzerne schlagen dafür ein System aus Preissignalen vor, das den Verbrauchern die Verfügbarkeit von Strom anzeigt. Hierfür müsse der Smart-Meter-Rollout vereinfacht und gezielt da angetrieben werden, wo die Verbraucher den größten Nutzen erfahren. Ebenso brauche es Anreize in Form von kapazitätsbasierten Netzentgelten, um flexibles Verbrauchsverhalten zu belohnen.
Wie Haushalte in Zukunft Strom sparen können
Mit Blick auf das Ziel Klimaneutralität stehen fossile Energieträger und Brennstoffe wie Öl und Gas (und damit auch Benzin) langfristig vor dem Aus. Auch wenn aktuell noch andere Möglichkeiten für klimaneutrales Heizen und emissionsfreien Verkehr erforscht werden, sind Wärmepumpen und E-Autos aktuell noch die leistungsfähigste Variante. Sowohl E-Autos als auch Wärmepumpen sind aber sehr stromhungrige Verbrauchsstellen, die einen signifikanten Einfluss auf den Gesamtstromverbrauch der Haushalte in Deutschland haben können. Unter Umständen kann allein eine Wärmepumpe den Stromverbrauch eines Einfamilienhauses sogar verdoppeln. Wer sich für so eine Anschaffung entscheidet, muss damit rechnen, dass es nicht gerade einfacher wird, Strom zu sparen.
Strom sparen und Geld sparen ist aber nicht immer das Gleiche. Wer sich eine Wärmepumpe anschafft, spart sich nämlich den Gasverbrauch der alten Heizung, was im Endeffekt sogar günstiger sein kann. Das gilt auch für E-Autos: Der Kostenpunkt Tanken fällt weg und wird durch das Laden ersetzt. Mit einer Solaranlage auf dem Dach oder einem Balkonkraftwerk kommt der benötigte Strom im Bestfall nicht einmal aus dem öffentlichen Netz und kostet deswegen nichts, abgesehen von den Anschaffungskosten der Anlage.
Weiter wird es einfacher, Strom zu sparen, wenn Haushalte mithilfe eines Smart Meters große Verbrauchsstellen identifizieren und diese reduzieren. Im gleichen Schritt kann es hilfreich sein, den eigenen Verbrauch an den Strommarkt anzupassen. Wer einen dynamischen Stromtarif hat, spart so einerseits Geld und hilft dabei auch noch, das Stromnetz zu entlasten.
