Herkunftsnachweise für grünen Strom sind oft irreführend, da sie fälschlicherweise grauen Strom als grünen ausweisen. Wer einen Tarif sucht, der wirklich Strom aus 100 % erneuerbaren Energien liefert, sollte stattdessen auf vertrauenswürdige Label wie das ok-power-Label und das Grüner-Strom-Siegel schauen. Diese haben strenge Kriterien für solche Tarife. Darüber hinaus können Verbraucher auch selbst aktiv die Energiewende unterstützen, indem sie auf Photovoltaik, Wärmepumpe und Solarthermie setzen.
Ökostrom soll eine Alternative zu fossilen Energieträgern sein: Strom, der zu 100 % aus erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne und Wasser stammt. Aber wie viel steckt tatsächlich dahinter, wenn viele Energieversorger ihre Stromtarife nur als „Ökostrom“ tarnen? Um Tarife zu erkennen, deren Strom wirklich aus erneuerbaren Quellen stammt, können sich Verbraucher entweder an entsprechenden Siegeln orientieren oder die Unternehmen und die angebotenen Tarife selbst genauer unter die Lupe nehmen.
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Ökostrom aus 100 % erneuerbaren Energien an Siegeln erkennen
Laut einer Civey-Umfrage von Green Planet Energy aus dem Jahr 2024 fordern mehr als drei Viertel der Befragten, dass Energieanbieter die Quellen der Herkunftsnachweise für Strom aus erneuerbaren Energien transparenter offenlegen. Mehr als die Hälfte wünschen sich ebenfalls mehr Transparenz bei Investitionen in erneuerbare Energieprojekte und Informationen zu den Lieferantenkraftwerken des gelieferten Stroms. Parallel dazu gaben nur etwa 20 Prozent an, den Angaben von Stromanbietern Glauben zu schenken. Das Ergebnis ist dabei weder überraschend noch unbegründet. Durch den Handel mit Herkunftsnachweisen verschleiern Energieanbieter oft, wo ihr Strom wirklich herkommt – und auch, ob er tatsächlich aus erneuerbaren Quellen stammt.
Wollen sich Verbraucher wirklich sicher sein, dass ihr Vertrag Strom aus erneuerbaren Energien liefert, führt kein Weg daran vorbei, sich mit den Stromanbietern auseinanderzusetzen und mehr Informationen als die bloßen Herkunftsnachweise zu prüfen. Erkennen lässt sich das zum Beispiel daran, dass der Tarif mit einem entsprechenden Siegel ausgezeichnet ist. Dazu zählen u. a. das ok-power-Siegel, das Grüner-Strom-Label oder eine Auszeichnung durch den TÜV Nord oder den TÜV Süd. In allen Fällen ist Grundvoraussetzung, dass der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommt.
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Kriterium |
OK Power Gütesiegel |
Grüner Strom Label e.V. |
TÜV Nord Geprüfter Ökostrom |
TÜV Süd |
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100 % erneuerbarer Strom |
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Herkunftsnachweise (gemäß §42 EnWG, EU-Richtlinie oder mit Kopplung zur Strommenge) |
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Keine Doppelvermarktung |
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Keine fossile Energie |
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Keine Atom-Energie |
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Förderung, Bau oder Investitionen von oder in Erneuerbare Energie |
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Getrennte Buchführung für Strom aus erneuerbaren Energien |
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Transparenz (Vertragsbedingungen, Kommunikation oder Produktauskunft) |
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Die TÜV-Siegel sind nach dem ersten Zertifizierungsaudit ein Jahr gültig. Die Vertragslaufzeit beträgt aber drei Jahre. Es findet also jährlich je ein Überwachungsaudit statt, um zu prüfen, ob die Anforderungen eingehalten werden. Bei bestandener Überprüfung verlängert sich die Gültigkeit um ein Jahr. Das ok-power-Siegel hat eine Laufzeit von einem Jahr, das Grüner-Strom-Label ist dagegen zwei Jahre gültig.
Trägt ein Stromtarif kein Siegel für Ökostrom aus 100 % erneuerbaren Energien, kann es auch zielführend sein, sich mit dem Unternehmen zu beschäftigen und herauszufinden, inwiefern es sich für erneuerbare Energien einsetzt und wie sehr es noch in fossile Brennstoffe oder Kernkraft involviert ist. Im Vergleich zum Blick auf ein vertrauenswürdiges Siegel ist das aber ein deutlicher Mehraufwand. Für den einen oder anderen wird es sich aber trotzdem lohnen, und sei es auch nur, um das eigene Gewissen zu beruhigen.
Strom aus erneuerbaren Energien im Strommix
Auch in Haushalten, die Ökostrom aus 100 % erneuerbaren Energien beziehen, kommt aus der Steckdose der gleiche Strom wie in allen anderen Haushalten in Deutschland. Sobald der Strom erst im Verbundnetz ist, lässt sich nicht mehr unterscheiden, ob er aus erneuerbaren oder aus fossilen Energieträgern stammt. Zur Veranschaulichung kann hierfür das sogenannte Stromsee-Modell herangezogen werden. Demnach fließt die gesamte Stromerzeugung in Deutschland (inklusive der Stromimporte) in einen imaginären Stromsee. Aus diesem Stromsee beziehen die Verbraucher in Deutschland schließlich ihren Strom. Ob dieser Stromsee nun zu einem großen Teil aus erneuerbaren Quellen gespeist wurde oder nicht, macht für den Verbrauch also eigentlich keinen Unterschied.
Worauf Ökostromtarife aus 100 % erneuerbaren Energien dagegen Auswirkung haben sollten, ist das Verhältnis im Stromsee bzw. im Strommix. Je mehr solcher Tarife abgeschlossen werden, desto höher sollte der Anteil erneuerbarer Energien werden. Schließlich müssen die Energieversorger die Verträge erfüllen. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Um Strom als erneuerbar auszuweisen, müssen die Versorger nämlich Herkunftsnachweise bzw. -zertifikate kaufen und entwerten. In Deutschland können aber nur Herkunftsnachweise verwendet werden, wenn der Strom nicht schon über das EEG gefördert wurde – und das trifft auf einen Großteil des in Deutschland erzeugten Stroms aus Wind, Sonne & Co. zu. Herkunftsnachweise für nicht geförderten erneuerbaren Strom aus Deutschland sind Mangelware.
Die Lösung hierfür ist also, dass die Energieversorger Herkunftsnachweise aus dem Ausland kaufen, um den gelieferten Strom als erneuerbar auszuweisen. Und das geht auch, obwohl entweder der Strom in Wirklichkeit gar nicht aus erneuerbaren Quellen stammt oder der Anbieter sonst keinerlei Bezug dazu hat. Auf diese Weise kann konventioneller Strom grün angemalt werden, letzten Endes trägt das aber nicht dazu bei, dass sich der Anteil an erneuerbaren Energien verändert.
Verbraucher sollten sich deswegen nicht auf die bloßen Herkunftsnachweise verlassen. Siegel für Ökostrom aus 100 % erneuerbaren Energien sind deutlich aussagekräftiger, um solche Tarife zu bewerten und zu vergleichen.

Auch Verbraucher können die Energiewende unterstützen
Die Verbraucherzentrale empfiehlt als Alternative, selbst in erneuerbare Energien zu investieren, etwa in Form von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach oder einem Balkonkraftwerk. Auch Wärmepumpen oder Solarthermieanlagen können dazu beitragen, einerseits unabhängiger von der öffentlichen Strom- und Wärmeversorgung zu werden und andererseits die Energiewende mit diesen Technologien zu unterstützen. Darüber hinaus können Verbraucher so auch ihre Stromrechnung entlasten und Geld sparen. Die recht hohen Anschaffungskosten stellen für Verbraucher allerdings eine Einstiegshürde dar, die viele nicht nehmen wollen. Oft gibt es hierfür aber Förderungen und Zuschüsse, damit sich alle Haushalte Kauf und Installation der Anlagen leisten können.
Solaranlagen lohnen sich umso mehr, je mehr selbst produzierter Strom auch selbst verbraucht wird. Nicht verbrauchter Strom wird gegen eine Vergütung in das öffentliche Netz eingespeist. Seit dem 1. Februar 2026 gilt für Anlagen bis 10 Kilowatt-Peak eine Vergütung von 7,78 Cent pro Kilowattstunde für Teileinspeisung und 12,34 Cent pro Kilowattstunde für Volleinspeisung. Wird der Strom selbst genutzt, entlastet er die Stromrechnung merklich höher: Neukunden zahlen in 2026 einen Strompreis von etwa 37 Cent pro Kilowattstunde. Mit einem dazugehörigen Batteriespeicher sind Haushalte außerdem noch flexibler und noch einmal unabhängiger von der öffentlichen Stromversorgung. So wird der nicht sofort verbrauchte Strom nämlich nicht eingespeist, sondern ist zu einem späteren Zeitpunkt nutzbar.
Wärmepumpen sind besonders dann sinnvoll, wenn das Gebäude über einen guten Wärmeschutz oder über große Heizkörperflächen verfügt. In Neubauten, die diese Voraussetzungen in aller Regel ohnehin erfüllen, sind Wärmepumpen die am weitesten verbreitete Heizungsart. Auch in Altbauten können Wärmepumpen sinnvoll sein, Haushalte sollten sich aber auf eine geringere Effizienz und geringere Einsparungen einstellen. Mitunter kann die Heizung sogar zu viel Strom verbrauchen, wodurch es sich weder finanziell noch mit Blick auf die Umwelt lohnt, auf eine Wärmepumpe umzusteigen. Eine vorherige energetische Sanierung kann den Wirkungsgrad und die Wirtschaftlichkeit verbessern, ist aber auch mit zusätzlichen Kosten verbunden. Haushalte sollten sich also vorher darüber informieren, ob das Gebäude für eine Wärmepumpe geeignet ist oder ob noch bessere Voraussetzungen geschaffen werden müssen.
Solarthermieanlagen nutzen – ähnlich wie Solaranlagen – Sonnenergie, um die Warmwasserbereitung von Haushalten anzutreiben. Größere Anlagen können auch die Heizung unterstützen, die primäre Nutzung liegt aber im Warmwasser. Mit einer 10 Quadratmeter großen Anlage können Haushalte ihren Erdgasverbrauch um bis zu 4.000 kWh pro Jahr senken. Inzwischen gibt es auch Anlagen, die Photovoltaik und Solarthermie kombinieren, sogenannte PVT-Anlagen oder PVT-Kollektoren. Außerdem können Solarthermieanlagen (und auch PVT-Anlagen) in Verbindung mit einer Wärmepumpe für eine höhere Effizienz sorgen. Weil die Wärmepumpe gerade im Sommer öfter ausgeschaltet bleiben kann und so weniger Strom verbraucht. Wichtig bei Solarthermieanlagen ist – wie auch bei Solaranlagen -, dass sie zur Sonne ausgerichtet sind. Ideal sind Dächer mit Südausrichtung und einer Schräge zwischen 30 und 70 Grad.



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